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Yoga und Ehrgeiz

Yoga und Ehrgeiz

Was hat Yoga mit Ehrgeiz zu tun? Natürlich nichts! Wir sind total entspannt auf unserer Matte, wir nehmen nicht unsere Psyche mit, wir lassen alle bisherigen Erfahrungen aussen vor und sind nur glücklich im Hier und Jetzt – Ironie off!

Natürlich hat Yoga eine Menge mit Ehrgeiz zu tun, für fast jeden Yogi. Weil ich das zwar weiß, aber nicht für alle anderen Yogis sprechen kann, erzähle ich meine persönliche Yoga-Ehrgeiz Geschichte und wie sie mich fast weg gebracht hätte vom Yoga.

Der Anfang

Ich habe schon seit meiner Teenager Zeit immer wieder mal Yoga praktiziert, nur Asana und das entweder aus Büchern nachgemacht (der Klassiker: Yoga für Jeden von Kareen Zebroff) oder auch mal einen Kurs bei der VHS besucht. Das war aber eher sporadisch als dauerhaft. Seit Anfang 2013 dann war auf einmal ein unbändiger Wunsch da etwas für mich zu tun, ich musste Yoga machen. Was war passiert? Ich war im Anfangsstadium eines Gebärmutterhalskrebses. Das hat mich sehr getroffen, weil ich mich für mehr oder weniger unverwundbar hielt!
Es musste also Yoga sein, ich wollte mich selber damit heilen. Woher diese Gedanken kamen weiß ich nicht, sie waren einfach da. Zur gleichen Zeit fast hat in meiner Stadt ein neues Yogastudio eröffnet, das natürlich Werbung machte. Die hat mich sofort angesprochen. Ich bin in das Studio gegangen, habe eine Schnupperstunde mitgemacht und war infiziert mit dem Yogavirus. Es waren zunächst die kleinen Aha-Erlebnisse, die mich so fasziniert haben, z.B. wie ich total gestresst und aggressiv vor einer Stunde war und nachher lammfromm und ohne diese lästigen Rückenschmerzen vom Bürojob. Super! Davon brauchte ich mehr. Außerdem war ich voller Hoffnung durch Yoga, Atemübungen und Meditation meine aus dem Ruder gelaufenen Zellen wieder kurieren könnte.
Das hat dann natürlich leider nicht geklappt.

Ehrgeiz beginnt

Nachdem ich meine nötig gewordene Operation überstanden hatte und soweit vor allem körperlich wieder geheilt war, fing ich nach der Zwangspause wieder an zu praktizieren und jetzt wurde alles für mich zu Yoga, ja man könnte sagen ich war Yoga. Ich habe mich im Kopf damit beschäftigt während der Arbeit, ich habe sofort nach Büroschluss erst mal mindestens eine Stunde Asana machen müssen zuhause, sonst war ich unglücklich. Ich habe jede Zeitung zum Thema abonniert, ich wurde Veganer und habe jeden Workshop in meiner Heimatstadt besucht. Warum? Ich wollte eine Yogini werden, ich wollte alles lernen, jedes Asana beherrschen und im Studio zeigen was ich schon alles gelernt hatte. Ich bog mich in alle Richtungen, ich zwang meine Knie in den Lotussitz und ignorierte das Zwicken.
Auch im Urlaub nahm ich meine Reisematte mit und praktizierte im Hotelzimmer, ein Tag ohne Yoga und ohne Fortschritte war fast undenkbar. Ich wollte so diszipliniert sein wie ein indischer Yogi, mindestens aber wie die Yoginis bei Instagram, die ich mittlerweile entdeckt hatte. Super jeden Tag eine neue Herausforderung! Asana in Schweregraden, die selbst für Fortgeschrittene kaum zu meistern sind fanden sich zuhauf, präsentiert von meist makellosen Damen. Das stachelte meinen Ehrgeiz noch mehr an, was die können kann ich auch!

Das Ende des Ehrgeiz

Es kam wie es kommen musste: mein Körper wollte irgendwann nicht mehr jeden Tag in eine Form gepresst werden für die ernicht bereit war. Ich bekam ernsthafte Knieprobleme, die in einem Wanderurlaub so schlimm wurden, dass ich mit zusammengebissenen Zähnen und Tränen in den Augen einen Berg herunter wanderte. Es ging nicht mehr.
Ich habe mir und meinem Ehrgeiz alles zu können und dies auch zeigen zu wollen eine Zwangspause verordnet. Einen Monat lang gab es gar kein Yoga mehr, danach ab und zu, manchmal nur für das Foto bei Instagram, weil es so nett ist zu dieser Community dazu zu gehören.
In meiner Pause ist mir bewußt geworden, dass allein mein falscher Ehrgeiz Schuld ist. Ich habe viel über mich und meine Beweggründe nachgedacht, bin viel mit meinem Mann spazieren gegangen und habe nach und nach analysiert was da eigentlich schief gelaufen ist.
Heute praktiziere ich jeden Morgen einige Minuten im Bett, vor allem um mich zu dehnen vor dem Aufstehen. Dazu mache ich alle paar Tage eine Stunde am Nachmittag oder meditiere etwas. Ich versuche achtsam mit meinem Körper umzugehen und es auszuhalten, dass ich nicht mehr so beweglich bin wie vor der Zwangspause. Manchmal ist es frustrierend, denn andere können Asana, die ich nicht kann. Ich muss mir dann bewußt machen, dass ich nicht den Körper dazu habe, dass ich nicht den ganzen Tag nur Yoga üben kann, weil es eben nicht mein Job ist und dass ich verdammt noch mal nicht mehr 20 bin!
Ich genieße jetzt bewußt die Vorzüge von Yoga: die Entspannung, die Dehnung, das Spüren und fühle mich danach so vital und frisch, herrlich!
Natürlich ist der Ehrgeiz nicht ganz fort, ich habe dazu noch viel zu viele psychische Vorbelastungen und vielleicht auch eine Disposition in meiner Persönlichkeit. Ich kann ihn aber auf Abstand halten und das ist auch meine Botschaft:
Ehrgeiz ist nicht per se gut oder böse, aber man muss ihn immer im Auge behalten und lenken. Vergleiche mit anderen Menschen stellt jeder an auf irgendeine Art und Weise, wichtig ist meiner Meinung nach sich nicht selbst ab- oder aufzuwerten dadurch.
Sei du selbst, egal ob es anderen gefällt!

Mit zu wenig Kraft erreicht man nichts, mit zuviel Kraft zerstört man nur. Das rechte Maß gilt es zu finden.

Dies ist einer der Aussprüche des Dalai Lama. Buddhist und für mich auch echter Yogi.
Namaste.

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